Häufige Fragen

  • Ist Gleichstellung von Frau und Mann noch ein Thema?

    Auf der rechtlichen Ebene ist in den Jahren nach der Einführung des Frauenstimmrechts (1971) tatsächlich viel erreicht worden. Der Grundsatz der Gleichheit von Frau und Mann ist 1981 in der Verfassung verankert worden, das neue Eherecht bezeichnet nicht mehr den Mann als das Haupt der Familie, und seit Mitte 1996 besteht mit dem Gleichstellungsgesetz die Möglichkeit, den Anspruch auf Gleichstellung im Erwerbsleben auch gerichtlich durchzusetzen.

    Doch es gilt auch das geflügelte Wort "viel erreicht, wenig verändert". Wie wenig in Sachen Gleichstellung in den Köpfen gegangen ist, merken beispielsweise Frauen und Männer, die sich Familien- und Erwerbsarbeit partnerschaftlich teilen möchten. Für sie ist es nicht einfach, geeignete Teilzeitstellen oder Kinderbetreuungseinrichtungen zu finden. Junge Männer und Frauen brauchen viel Durchsetzungsvermögen, wenn sie sich in einem geschlechtsuntypischen Beruf behaupten und weiter entwickeln möchten. Trotz Gleichstellungsgesetz beträgt der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern 18.9 Prozent (Stand 2012, BfS).

    Ziel der Gleichstellung ist es, dass Männer und Frauen die gleichen Start- und Entwicklungsmöglichkeiten in ihrem Leben haben. Rollenklischees verschwinden aus den Köpfen von Frauen und Männern und eine Vielfalt von Lebensentwürfen für alle wird möglich.

    Rechtliche Grundlagen Gleichstellung von Frau und Mann

  • Mir wurde wegen Mutterschaft gekündigt - was kann ich tun?

    Während der Schwangerschaft und des Mutterschaftsurlaubs ist eine Kündigung durch den Arbeitgeber/die Arbeitgeberin nicht erlaubt (Art. 336c OR, gilt nicht in der Probezeit). Danach gilt eine Kündigung dann als diskriminierend, wenn als Grund die Mutterschaft vorgebracht wird. Eine solche Kündigung beruht nicht auf objektiven Kriterien wie z.B. der Arbeitsqualität oder der wirtschaftlichen Lage, sondern einzig auf dem Status der Frau.

    Die Kündigung aufgrund von Mutterschaft ist zwar diskriminierend, aber dennoch gültig. Das heisst, sie kann nicht annulliert werden und auch eine Wiederanstellung kann nicht verlangt werden. Es besteht jedoch Anspruch auf Entschädigung. Das Unternehmen kann zu einer Zahlung von bis zu sechs Monatslöhnen verpflichtet werden. Im öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis kann eine Kündigung wegen Schwangerschaft angefochten werden (Art. 5 Abs. 1b GlG).

    Wenn Sie von einer diskriminierenden Kündigung betroffen sind, können Sie sich an die Schlichtungsstelle Gleichstellung beim Arbeitsgericht wenden. Ebenfalls bietet das Arbeitsgericht eine unentgeltliche Rechtsauskunft, wo Sie sich über Ihre Rechte informieren können. Auch eine Gewerkschaft oder die Fachstelle Gesellschafsfragen können Ihnen weitere mögliche Schritte aufzeigen.

    Wenn Sie Ihr Pensum nach dem Mutterschaftsurlaub reduzieren wollten, aber dies abgelehnt wurde, liegt manchmal eine Kündigung aus eigenem Antrieb nahe. In einem solchen Fall dürfen Sie von der Arbeitslosenkasse nicht benachteiligt werden. Erklären Sie genau, welche Umstände zur Kündigung geführt haben. Eine schriftliche Bestätigung von der Arbeitgeberin / vom Arbeitgeber ist hilfreich dafür.

    Ein frühzeitiges (z.B. bei Mitteilung der Schwangerschaft) und offenes Gespräch mit der/dem Vorgesetzten hilft, Ängste abzubauen und für die Rückkehr gemeinsam Lösungen zu finden. Das Online-Tool mamagenda begleitet Mütter und Vorgesetzte durch die einzelnen Etappen der Schwangerschaft.

  • Wie gehe ich vor, wenn ich vermute, von Lohndiskriminierung betroffen zu sein?

    Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Lohndiskriminierung, nämlich

    • ungleichen Lohn für gleiche Arbeit
    • ungleichen Lohn für unterschiedliche, aber gleichwertige Arbeit

    Beide sind nach Verfassung und Gesetz untersagt, trotzdem kommen sie vor. Seit Mitte 1996 besteht mit dem Gleichstellungsgesetz die Möglichkeit, den Anspruch auf Gleichstellung im Erwerbsleben auch gerichtlich durchzusetzen.

    Als Erstes ist es wichtig, korrekte und umfassende Informationen zu den Löhnen zu sammeln. Reden Sie offen über das Thema Lohn. Konsultieren Sie die Broschüre «Mein Lohn unter der Lupe» (EBG). Generelle  Lohnüberprüfungen sind möglich mit einem Lohnrechner oder in einem Vergleich mit den Resultaten von Salärumfragen.

    Wenn sich die Vermutung der ungleichen Entlöhnung bestätigt, suchen Sie am besten das Gespräch mit Ihrer/Ihrem Vorgesetzten. Führt das Gespräch nicht zum gewünschten Erfolg, kontaktieren Sie eine externe Stelle, die Ihnen weitere mögliche Schritte aufzeigen kann, beispielsweise

    • einen Personalverband
    • Ihre Gewerkschaft
    • eine Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann

    Manchmal hilft nur noch der juristische Weg. Dieser führt im Kanton Luzern als Erstes über ein kostenloses Verfahren bei der kantonalen Schlichtungsstelle. Angestellte der öffentlichen Verwaltung, von Spitälern und Schulen wenden sich an die Schlichtungsstelle beim Rechtsdienst der Dienststelle Personal.

    Auf der Datenbank des Gleichstellungsgesetzes können Sie Verfahrensfälle aus allen Deutschschweizer Kantonen einsehen.

  • Was ist sexuelle Belästigung?

    Als sexuelle Belästigung gilt jedes Verhalten mit sexuellem Bezug, das von der betroffenen Person oder von der vorgesetzten Stelle nicht erwünscht ist und das die Würde von Frauen und Männern am Arbeitsplatz beeinträchtigt. Die Unerwünschtheit ist das entscheidende Merkmal, das eine sexuelle Belästigung von willkommenem geschlechtsbezogenem Verhalten unterscheidet.
    Sexuelle Belästigung kann in verschiedenen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen:

    • anzügliche Bemerkungen
    • Bemerkungen über körperliche Vorzüge oder Schwächen

    • sexistische Bemerkungen oder Witze

    • aufdringliche oder taxierende Blicke

    • Vorzeigen, Aufhängen und Auflegen von pornografischem Material

    • elektronische Post mit pornografischem oder sexistischem Inhalt

    • zweideutige Aufforderungen oder Einladungen, die unerwünscht sind

    • unerwünschter Körperkontakt und aufdringliches Verhalten

    • Annäherungsversuche verbunden mit dem Versprechen von Vorteilen beziehungsweise Androhung von Nachteilen

    • sexuelle Übergriffe im strafrechtlichen Sinn (Drohung, Nötigung und Vergewaltigung)

    Das Gleichstellungsgesetz fordert vom Arbeitgeber, dass er zur Verhinderung von sexueller Belästigung die notwendigen und angemessenen präventiven Massnahmen trifft. Ist dies nicht der Fall und es kommt zu Vorkommnissen, kann die betroffene Person gegen den Arbeitgeber klagen. Der Weg führt im Kanton Luzern als Erstes über ein kostenloses Verfahren bei der Schlichtungsstelle.

  • Was kann ich tun, wenn mir geschlechterdiskriminierende Werbung begegnet?
    • Meiden Sie Produkte, für die auf diskriminierende Weise geworben wird.

    • Beschweren Sie sich beim Geschäft, welches das angepriesene Produkt verkauft oder herstellt oder bei der Firma, die Dienstleistungen mittels sexistischer Werbung anbietet.

    • Beschweren Sie sich bei der Werbeagentur, die das Werbemittel (Plakat, Inserat, Werbespot usw.) hergestellt hat.

    • Nehmen Sie Anzeigen aus Zeitungen und Zeitschriften heraus und schicken Sie diese mit dem Vermerk „Geschlechterdiskriminierend – bitte überarbeiten!“ an das Geschäft, das Unternehmen, die Werbeagentur oder das Medienunternehmen.

    • Reichen Sie Klage ein bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission.

  • Wo finde ich aktuelle Fakten und Zahlen zur Gleichstellung?

    Die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) führt auf ihrer Website die Rubrik Facts & Figures. Hier finden Sie die wichtigsten direkten Links zu Zahlen und Fakten in den Themenbereichen Bildung, Erwerbsarbeit, Familie, Gewalt und Politik.

    Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) führt eine öffentliche Dokumentationsstelle mit dem Spezialgebiet «Gleichstellung von Frau und Mann». Es stehen rund 8000 Fachbücher, Zeitschriften und Studien nach thematischen Schwerpunkten zur Verfügung. Das EBG unterstützt Sie auch bei Recherchen.

Informationsbroschüre zu Rechten, Vorgehen und Anlaufstellen im Kanton Luzern
Infobroschüre "Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben"

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Häufige Fragen des Eidg. Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG)